Im Gelenkbus-Doppelpack zur Rhume-Quelle

Pünktlich um 09:00 Uhr fanden sich die Teilnehmer voller Erwartung in Göttingen ein. Der Auftakt bot gleich ein technisches Highlight in doppelter Ausführung: Wir starteten im „Gelenkbus-Doppelpack“. Der junge Unternehmer Jonas Tadrowska, dessen Wurzeln ebenfalls in Göttingen liegen, stellte uns hierfür seinen Setra SG 321 UL zur Verfügung. Wer genau hinschaute, erkannte in diesem dunkelroten Fahrzeug ein Stück bewegte Busgeschichte: Ursprünglich lief der Wagen bei der Autokraft, einer Tochter der Deutschen Bahn, als Wagen 04044 mit dem Kennzeichen KI-OO 466. Später war er über Hanekamp Busreisen in Cloppenburg (CLP-NH 32) unterwegs, ehe er im Jahr 2000 den Weg zurück nach Südniedersachsen fand. Begleitet wurde dieser Klassiker von einem MAN A 12 (NG 312) der Ilmebahn GmbH (EIN-IB 12). Auch dieser Bus weckte nostalgische Gefühle bei den Lokalpatrioten, hat er doch als ehemaliger Wagen 343 der Göttinger Verkehrsbetriebe (GÖ-J 3443) einen echten Heimvorteil. Gemeinsam fuhren wir über Ebergötzen und Gieboldehausen in Richtung Rhumspringe. Doch bevor wir den Sitz von Gropengießer erreichten, legten wir in Wollbrandshausen an der Landstraße vor Rüdershausen einen Fotohalt ein. Vor der Kulisse blühender Rapsfelder konnte der Setra-Gelenkbus von Jonas Tadrowska beidseitig perfekt in Szene gesetzt werden – ein motivlicher Leckerbissen gleich zu Beginn.

Fahrzeugwechsel und Historie bei Gropengießer

Auf dem Betriebshof des Reisedienstes Gropengießer GmbH in Rhumspringe hieß es für uns: Umsteigen. Wir verabschiedeten den Gelenkbus von Jonas Tadrowska und wechselten auf einen MAN A 03 (FRH 422) aus dem Baujahr 1997. Dieser Reisebus, der heute das Kennzeichen GÖ-CN 871 trägt und optisch durch die Austauschfront eines moderneren Modells aufgefrischt wurde, ist ein spannendes Überbleibsel. Er erinnert an die Zeit, als Gropengießer noch mit mehreren Bussen im Auftrag der Regionalbus Braunschweig GmbH (Betriebsstelle Göttingen) unterwegs war. Um dieses Fahrzeug nicht nur als Passagier zu erleben, wurde es den Teilnehmern bei einem weiteren Fotohalt in Barbis bei Bad Lauterberg präsentiert. Anschließend führte unsere Route tief in den Harz zum Bahnhaltepunkt Drei Annen Hohne. Hier bot sich die Gelegenheit für ein Motiv der besonderen Art: Unser Tourbus vor dem fast prähistorisch wirkenden Hintergrund der Harzer Schmalspurbahn, deren Dampflokomotiven von hier aus schnaubend zum Brocken, dem höchsten Berg des Harzes und Sachsen-Anhalts, aufsteigen.

Erdgas und Hexen in der Bunten Stadt

Über den Rücken des Harzes hinweg erreichten wir Wernigerode, den Sitz der Harzer Verkehrsbetriebe GmbH (HVB). Unser Besuch dort war geprägt von technischem Interesse, denn die HVB setzt neben Dieselbussen stark auf alternative Antriebe. So verfügte eine Vielzahl der Busse über die charakteristischen Gastanks auf dem Dach. Der Fuhrpark präsentierte sich als breite Palette von Solo- über Dreiachser- bis hin zu Gelenkbussen der Marken Mercedes-Benz und MAN. Besonders die „Lebensläufe“ der Gebrauchtfahrzeuge weckten die Neugier der Teilnehmer: So entdeckten wir einen Mercedes-Benz O 530 Citaro CNG (HBS-BB 62) aus dem Baujahr 2006, der ursprünglich von der Halberstädter Bus-Betrieb GmbH stammte. Ebenso interessant war ein ehemaliger MAN A 21 Lion’s City CNG (NL 313), ebenfalls Baujahr 2006, der einst bei den Berliner Verkehrsbetrieben als B-V 1861 lief und über die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt/Oder in den Harz kam. Neben der Technik fingen wir auch den kulturellen Charme der Region ein: Busse mit lokalen Werbungen wie „Harz macht Schule“ oder Motiven zur Walpurgisnacht erinnerten an den traditionellen Feuerbrauch, der im Harz alljährlich am 30. April gefeiert wird. Nachdem sich der leichte Niederschlag, der uns in einer Schneise vor dem Harz begleitete, hinter Wernigerode wieder legte, setzten wir die Fahrt bei besserem Wetter fort.

Goslar und die Flotten-Erneuerung bei Bokelmann

Mit unserem MAN A 03 erreichten wir schließlich Goslar, das urbane Zentrum des Westharzes. Nach einem Fotostopp am Bahnhof ging es zum Reisedienst Bokelmann KG. Hier wurde deutlich, wie sich ein Traditionsunternehmen modernisiert: Bokelmann hat kürzlich stark in die Erneuerung des Fuhrparks investiert, sodass uns vier neue Iveco Crossway LE präsentiert wurden, wovon ein Fahrzeug sogar als ehemaliger Vorführwagen übernommen wurde. Doch auch für Freunde älterer Semester gab es ein Highlight: den Mercedes-Benz O 530 Citaro LE (GS-BY 8888) aus dem Baujahr 2007. Er stammt von der aufgelösten AMR Busverkehrsgesellschaft mbH aus Rahden und gehört seit Oktober 2018 zu den Stammfahrzeugen bei Bokelmann, der auch im Auftragsverkehr für HarzBus tätig ist.

Hornburg: Einblicke in den „HarzBus“

Unsere wissbegierige Reisegruppe zog es weiter zum Sitz der Verkehrsbetriebe Bachstein GmbH in Hornburg. Zuerst besichtigten wir die Abstellfläche, wo ein MAN A 23 Lion’s City G (NG 363, WOB-O 1796) und ein Gelenkbus der Betriebsstelle Hornburg (ex KVG Stade, STD-I 1602, Baujahr 2016) aufgenommen wurden, während die Sonne nun immer öfter durch die Wolken brach. Auf dem Betriebsgelände wartete bereits unser nächster Tourbus, der den Reisewagen von Gropengießer ablöste: Ein Mercedes-Benz O 530 Citaro der Peiner Verkehrsgesellschaft (PVG), ein ehemaliger Vorführwagen (ex MA-OL 362, heute PE-MI 36) mit Erstzulassung 2003. Vor Ort erhielten wir tiefe Einblicke in die Entstehungsgeschichte der HarzBus GbR & Co. KG – ein Lehrstück moderner Verkehrsplanung. Diese Gesellschaft wurde im Februar 2019 von den drei regionalen Unternehmen Pülm Reisen, Reisebüro Schmidt und Verkehrsbetriebe Bachstein gegründet, nachdem der Altbetreiber Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB) seinen Rückzug angekündigt hatte. HarzBus übernahm Verantwortung, beantragte die Konzessionen für 17 Linien und erhielt diese im November 2019 für zehn Jahre. Passend zu dieser Erfolgsgeschichte wurden uns zwei „Geschwister“ vorgefahren: Mercedes-Benz O 530 Citaro C2 LE Ü (WF-VB 1591 und 1592), beide erstzugelassen am selben Tag im Dezember 2015, sowie ein Volvo V 8700 LE (WF-VB 1792), der 2018 von der VOG übernommen wurde.

Das Finale in Peine: Begegnung mit einer Legende

Nachdem uns der Omnibus-Nahverkehrs-Service Melskotte kurzfristig abgesagt hatte, bildete die Peiner Verkehrsgesellschaft mbH (PVG) unseren letzten Programmpunkt. Mit dem PVG-Citaro und unserem Ilmebahn-Gelenkbus fuhren wir nach Peine, unterbrochen von einem Fotostopp an einem Schulzentrum mit passendem Zielschild in dem kleinen Ort Oberg. Bei der PVG angekommen, sorgte vor allem ein Fahrzeug für ungläubiges Staunen: der MAN SL 200 (BS-DK 967). Dieser Standard-Linienbus der ersten Generation aus der Lieferserie 1978 (!) war bis 1986 im Linienverkehr der Braunschweiger Verkehrs-AG und anschließend bis 2015 als Infobus im Einsatz. Seit März 2016 dient er als „Bus der Begegnung“ und kann über das Lokale Bündnis für Familie von sozialen Initiativen kostenlos genutzt werden. Ihn in diesem bemerkenswert guten Zustand zu sehen, war eine echte Zeitreise. Zusätzlich konnten diverse MAN-Modelle mit spannenden Vorbesitzer-Geschichten dokumentiert werden, etwa ein MAN A 20 (NÜ 263, Baujahr 1999, PE-GF 67, ex Mundstock) oder Fahrzeuge der Reihe A 23, wie der PE-VG 353 (Baujahr 2003, ex BS-ZX 308) und der PE-FZ 74 (Baujahr 2001, ex SWEG FR-H 1274). Ein ereignisreicher Tag voller technischer Details und lebendiger Verkehrsgeschichte ging hier zu Ende.

Wir freuen uns schon auf die nächste Fahrt!