Unsere Tourbusse: Ein ungleiches, aber charmantes Duo

Für die Reise standen zwei besondere Fahrzeuge bereit, die die Herzen der Busfreunde höherschlagen ließen. Den Anfang machte der GÖ-WW 41 der Gemeinnützigen Fahrdienst GmbH. Dieser Mercedes-Benz O 405 N (Baujahr 1992) ist ein echtes Göttinger Urgestein, war er doch früher als Wagen 21 (GÖ-J 3321) bei den Göttinger Verkehrsbetrieben im Einsatz. Ihm zur Seite stand ein Mercedes-Benz O 407 der Pülm Reisen GmbH (GS-P 126). Dieser Überlandklassiker aus dem Jahr 1998 hat eine thüringische Vergangenheit: Ursprünglich war er bei der Regionalbus-Gesellschaft Unstrut-Hainich- und Kyffhäuserkreis mbH als Wagen 9893-6 (KYF-C 400) unterwegs, bevor er 2011 den Weg zu Pülm fand.

Erster Programmpunkt in Witzenhausen: Tradition bei Brundig Reisen

Mit voll besetzten Bussen und bestens gelaunten Teilnehmern machten wir uns auf den Weg. Nach einem kurzen Halt in Hann. Münden erreichten wir nach rund 40 Minuten die Kirschenstadt Witzenhausen. Dort besuchten wir das Familienunternehmen Brundig Reisen GmbH & Co. KG, das in vierter Generation geführt wird und als wichtiger Partner im Auftragsverkehr für Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) agiert. Seniorchef Wolfgang Brundig empfing uns herzlich und stellte uns den Betrieb vor, der auf eine über 90-jährige Geschichte zurückblickt. Fotografisch gab es einiges zu entdecken: Ein Highlight war der dreitürige Mercedes-Benz O 405 N2 (ESW-WB 285, Baujahr 1999), der ursprünglich bei der Freiburger VAG lief. Aber auch moderne Fahrzeuge wie ein Solaris Urbino 12 III aus dem Jahr 2015 wurden abgelichtet. Mit einem Präsent bedankten wir uns bei Wolfgang Brundig für die Gastfreundschaft.

Reinhardshagen: Solaris-Vielfalt bei Sallwey

Nach einem weiteren Fotostopp am Bahnhof von Hann. Münden führte die Route weiter entlang der Weser nach Reinhardshagen. Während wir dem Flusslauf folgten, zogen am Himmel vermehrt Wolken auf, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Beim Omnibusbetrieb Sallwey GmbH erwartete uns Geschäftsführer Daniel Sallwey. Das Familienunternehmen, das 1976 von Kurt und Jutta Sallwey gegründet wurde, ist heute ein fester Bestandteil des ÖPNV im Wesertal. Der Fuhrpark besteht zu 100 % aus Niederflurfahrzeugen und ist stark geprägt vom Hersteller Solaris – dessen Fahrzeuge aufgrund des bekannten Markenmaskottchens in der Branche oft liebevoll als „Dackel“ bezeichnet werden. Über 20 dieser Fahrzeuge in verkehrsroter Lackierung bilden das Rückgrat der Flotte. Ein besonderes Einzelstück war ein Mercedes-Benz Citaro Facelift (KS-F 5034) aus dem Jahr 2009. Für Technikinteressierte öffneten die Mitarbeiter in der Werkstatt sogar die Heckklappe und gewährten Einblicke in das Innenleben eines der Busse. Ein nostalgisches Highlight war zudem der erhaltene Ford Transit (KS-O 1968H) aus dem Jahr 1968, der an die Anfangszeiten des Unternehmens erinnerte.

Vielfalt im Wesertal & Mittagspause in Uslar

Von Reinhardshagen aus folgten wir der Weser flussaufwärts nach Gieselwerder zur Regiobus Uhlendorff GmbH & Co. KG. Das Unternehmen, das im Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) gemeinsam mit dem Omnibusbetrieb Sallwey als „ARGE Wesertal“ agiert, präsentierte uns auf dem Betriebsgelände seinen abwechslungsreichen Fuhrpark. Für die Fotografen wurde unter anderem der Mercedes-Benz O 550 Integro (KS-E 6836) auf dem Freigelände vorgefahren. Dieser Bus aus dem Baujahr 2005 sticht durch seine belgische Vergangenheit bei „Autobus Stephany“ (ehemals VS 3011) hervor und trägt noch immer die charakteristischen gelb-blauen Verzierungen an der Seite. Ebenfalls zu sehen war ein Mercedes-Benz O 530 Citaro LE (KS-E 6890), der zusammen mit vier baugleichen Geschwistern im November 2013 in Dienst gestellt wurde. Auch zwei MAN A 78 Lion's City TÜ (EL 283) stießen auf großes Interesse; diese Fahrzeuge sind seit Juli 2016 im Bestand und haben eine bewegte Geschichte über die Verkehrsgesellschaft Region Fulda und Frölich Bus hinter sich.

Weiterreise mit dem Grünen Gelenkbus

Nach unserer Stärkung in Uslar bei „Zur Schwarzen Erde“, wo bei Döner und Schnellgerichten bereits ein reger Austausch stattfand, wartete am ZOB die nächste Überraschung: Unser drittes Tourfahrzeug für den weiteren Tag. Ein MAN A 11 (NG 312) aus dem Jahr 1997 rollte vor. Dieser grüne Gelenkbus ist ein alter Bekannter aus Göttingen: Bis 2012 war er dort bei den Verkehrsbetrieben als Wagen 336 unterwegs. Heute dient er der Ilmebahn GmbH und bringt zuverlässig Schüler ans Ziel. Mit diesem ikonischen Fahrzeug rauschten wir weiter nach Dassel zur Außenstelle der Ilmebahn GmbH. In der Abstellung präsentierten sich uns Qualitätsfahrzeuge, die teilweise schon lange zum Inventar gehören – wie ein Mercedes-Benz O 408 aus dem Jahr 1995. Für das perfekte Foto wurde unser Tourbus in der Kurve ins beste Licht gerückt. Ergänzt wurde die Szenerie durch zwei gebraucht beschaffte Mercedes-Benz Citaro. Ein besonderes Bild ergab sich, als unsere drei Begleiter – der Gelenkbus sowie der O 405 N und O 407 – einträchtig nebeneinander standen.

Juwelen bei Omnibus Koch in Fürstenberg

Die nächste Etappe führte uns zum Omnibusbetrieb Manfred Koch e.K. in Fürstenberg, der heute von Sohn Thorsten Koch geführt wird. Der Betrieb setzt im Auftrag der RBB Holzminden vor allem auf gebrauchte MAN-Fahrzeuge mit interessanter Historie. So entdeckten wir einen MAN A 21 (NL 263) aus dem Jahr 2001 (HOL-K 936), der über Umwege aus Schweden (Sporveisbussene/Unibuss) in den Solling kam. Auch ein MAN A 03 (RH 403), ein ehemaliger Vorführwagen aus dem Jahr 1999 (HOL-K 931), gehört seit 2002 zum Fuhrpark. Doch das absolute Highlight ließ nicht lange auf sich warten: Thorsten Koch präsentierte uns seinen ganzen Stolz – einen Büssing 12 Ü 210 R 15 mit Emmelmann-Aufbau aus dem Jahr 1974. Dieses Fahrzeug befindet sich seit seiner Erstzulassung (!) im Besitz der Firma und wird in einem makellosen Zustand erhalten. Der Inhaber ließ es sich nicht nehmen, uns auf eine kleine Rundfahrt um Fürstenberg mitzunehmen – ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmer. Vor diesem rollenden Kulturgut entstand dann auch unser Gruppenfoto.

Fahrzeugparade auf dem ZOB in Holzminden

Vom Fürstenberger Berg führte uns die Route weiter nach Holzminden zur Betriebsstelle der Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB). Hier wartete bereits der nächste Wechsel auf uns: Der Huschenhöfer Bus-Service KG stellte uns einen MAN A 12 (EL 222) zur Verfügung. Dieser Hochbodenbus (Baujahr 2001, HI-H 2502) lief früher bei der KVG Braunschweig als Wagen 0116. Während sich der Himmel zunehmend zuzog und bewölkte, nutzten wir die Gelegenheit für eine beeindruckende Fahrzeugparade auf dem ZOB. Unser bisheriger Begleiter, der Gelenkbus MAN A 11, verließ uns an dieser Stelle. Dafür reihte sich der „neue“ EL 222 nahtlos in unser Ensemble ein: Gemeinsam mit dem treuen Mercedes-Benz O 407 (GÖ-RX 48), der uns über den gesamten Tag begleitete, und dem NOM-LE 24 bot sich den Fotografen trotz der Wolken ein stimmiges Motiv, bevor die Reise weiterging.

Zu Gast bei Mönkemeyer & Rizor

In Eschershausen besuchten wir den Taxi-, Bus- und Mietwagenservice Jörg Mönkemeyer. Das Unternehmen, das seit 2001 besteht, zeigte uns seinen Fuhrpark, in dem unter anderem drei Busse von Dr. Richard aus Wien (Baujahr 2004) noch in ihrer originalen rot-grauen Lackierung zu sehen waren.

Den krönenden Abschluss bildete der Besuch bei der Rizor GmbH & Co. KG in Hildesheim. Rizor, 1968 gegründet, war nicht nur ein bedeutendes Verkehrsunternehmen in der Region (mit Nebenstelle in Nesselröden), sondern agierte auch professionell als Fahrzeughändler. Dementsprechend bunt und international war der Fuhrpark: Wir sahen einen dreitürigen Mercedes-Benz Citaro Facelift CNG (HI-CN 909, Baujahr 2010), der ursprünglich bei ICOM in Tschechien lief. Viele weitere Fahrzeuge, von Setra LE-Modellen bis hin zu Mercedes-Benz Intouros, stammten ebenfalls aus tschechischen Beständen oder von diversen Vorbesitzern aus ganz Deutschland. Mit über 80 Fahrzeugen im Linienverkehr und einem starken Engagement im Schienenersatzverkehr sowie der eigenen Stiftung „Kinder haben Vorfahrt“ beeindruckte Rizor durch Größe und Vielfalt.

Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck endete unsere Fahrt schließlich wieder in Göttingen. Wir bedanken uns herzlich bei allen besuchten Unternehmen für die Gastfreundschaft, bei Thorsten Koch für die unvergessliche Büssing-Runde und natürlich bei allen Teilnehmern, die diese 10. Jubiläumsfahrt zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.

Bis zum nächsten Mal – allzeit gute Fahrt!